Mond - Welt der Gefühle

Mond Der sich fortwährend wandelnde, aber zugleich unveränderliche Mondzyklus hat viele Völker dazu motiviert, einen charakteristischen Mythenschatz zu schaffen. Die Mondgottheiten, die oft weiblich sind, erscheinen meist als Dreiheit oder mit den drei Aspekten, die die drei unterschiedlichen Phasen Vollmond, Neumond und zunehmender Mond widerspiegeln. Wenn wir mit den Bildern spielen, die diese drei Phasen auslösen, können wir nachvollziehen, dass der Neumond, der trügerische schwarze Mond, der Dunkelmond mit Tod, Zauberei und der griechischen Göttin Hekate assoziiert wurde. Nach dem Dunkel des Mondes erscheint der zunehmende Mond mit seiner jungfräulichen Zartheit und Verheißung. Geformt wie eine Schale und offen für das, was von außen eindringen will, sieht er aus, als sei er bereit, von etwas geschwängert zu werden. So verband man den zunehmenden Mond mit der jungfräulichen Göttin Persephone, die von Hades entführt wurde. Er soll auch das Sinnbild von Artemis sein, der jungfräulichen Jägerin und Herrin der wilden Tiere.
Der Vollmond, rund, reif und saftig strotzend sieht er aus, als könne er jeden Moment gebären. Das ist der Mond in seiner höchsten Kraft auf dem Gipfel des Mondzyklus; er wurde mit der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter assoziiert. Dann beginnt der Mond abzunehmen, wird dünner und dunkler, und plötzlich ist er nicht mehr da. Hekate, das alte Weib, ist nun wieder an der Macht; verborgen in der Unterwelt ersinnt sie ihre Zaubersprüche und webt im Dunklen an der Zukunft.


In Südamerika erzählen die Guarani- Indianer diese Geschichte: Die Brüder Sonne und Mond verwandelten sich in Fische, um einem bösen, alles verschlingenden Geist Haken und Angelschnur abzujagen. Doch das Ungetüm verschlang den Mond. Die zu Tode erschrockene Sonne sammelte die Gräten auf, die der Geist weggeworfen hatte, setzte sie zusammen und brachte damit den Mond wieder ins Leben zurück. Dieses Verschwinden und Wiedererstehen setzt sich in den Mondphasen fort.