Lissabon 2004

Auf nach Lissabon
Eine Reise nach Lissabon, in die Siebenhügelstadt am Tejo, die durch ihren leicht maroden Charme verzaubert. Lissabon wurde von den Phöniziern etwa im 9. -7. Jht v.Chr. gegründet, von den Römern und Mauren besetzt, gelangte im Mittelalter als Hauptstadt der Entdecker zu Ruhm und Reichtum und wurde im Jahre 1755 durch ein Erdbeben zerstört. Auch nach dem Wiederaufbau durch den Marques de Pombal wurde die Stadt von der Geschichte des Landes geprägt: Besetzung durch die Franzosen, Flucht der Adligen und des Königshauses nach Brasilien. Dem Verlust Brasiliens und des Reichtums folgten Finanzkrisen, Staatsbankrott 1892; 1910 Ausrufung der Republik, 1933 - 1970 Diktatur durch Salazar und 1974 die unblutige Nelkenrevolution.
Im Großraum Lissabon leben ca. 3 000 000 Einwohner.

Ich kann nur jedem Lissabonbesucher raten, bei Tag einzufliegen, denn die Passagierflugzeuge nähern sich der Altstadt vom Tejo her, überfliegen die Innenstadt, ein mehr als atemberaubender Anblick bietet sich durch die Bordfenster, bevor man den Flughafen erreicht. Das verblüffendste ist, dass man davon in der Stadt nichts hört.

Zimmerreservierungen über Internet bieten sich nicht unbedingt an, denn hier sind vorwiegend hochpreisige Hotels im Angebot oder aber unpersönliche Bettenburgen. In neuen Reiseführern dagegen findet man vielfältige Angebote in jeder Preislage und in jedem Stadtviertel. Wir bevorzugten ein Haus, das sehr typisch ist für die Stadt, günstig gelegen, so dass alle Ziele gut erreichbar waren. Die Einrichtung war ansprechend, der Speisesaal schön gefliest, die Zimmer sehr liebevoll und landestypisch eingerichtet, der Nachteil war ein extrem hartes Bett. Das Frühstück war eher karg, also suchten wir nach einer Alternative, die sich rundum in den vielen wunderbaren kleinen Cafes bot, in denen von mehr als aufmerksamen und flinken Bedienungen die unterschiedlichsten süßen Leckereien serviert wurden.

Wir besuchten Lissabon im September, hatten durchweg sonniges Wetter und obwohl die Temperaturen denen in Deutschland ungefähr glichen, konnten wir den Tag über Sommerkleidung tragen, nur am Abend benötigte man ab und an eine Jacke.

Alfama, Baixa, Rossio
Ein Tag Belem
'Parque das Nações' (Park der Nationen)

Alfama, Baixa, Rossio
Die Stadtgeschichte kann man besonders gut in der Alfama kennen lernen. Das verheerende Erdbeben hat um dieses Viertel einen Bogen gemacht. Hier zeigen sich die starken maurischen Einflüsse der Stadtgeschichte. Die meisten Gassen sind dunkel und eng, geben einen authentischen Eindruck vom gewachsenen Stadtbild und dem Charakter der Stadt. Durch die historischen Gassen mit ihren Kachelverzierten Häusern geht es unentwegt auf und ab - kein Wunder, dass man hier schnell die Orientierung verlieren kann. Trödelläden, Töpferkunst oder die obligatorischen Andenken und Ansichtskarten - hier ist fast alles zu finden. In den unscheinbarsten kleinen Lokalen ... so geschehen an unserem ersten Abend, wurde extra für uns gekocht. Das Lokal war so winzig, dass wir meinten im Wohnzimmer der Wirtin zu sitzen, die ihr Essen unterbrach, um uns ganz speziell zu bekochen. Ihr Bacalhau war einfach Spitze! Überhaupt sind Restaurants, die auf Touristen zugeschnitten sind, nach unseren Erfahrungen eher zu meiden. Dort wo die Lisboetas essen, schmeckt es am Besten. In der Baixa habe ich meine ersten Austern gegessen und auch endlich die lange angepriesenen, geheimnisvollen Percebes genießen können.

Wer richtig auf Shoppingtour gehen möchte, muss in das moderne Zentrum der Stadt, zwischen Hauptbahnhof und Rossio, der städtischen Prachtmeile. Wer längere Strecken zurücklegen möchte, entscheidet sich entweder für ein Taxi oder die sehenswerten Straßenbahnen, die knallgelb durch die engen Straßen rattern. Die Straßen in denen die Bahn fährt, sind manchmal so eng, dass kaum noch Platz ist für Fußgänger. Besonders deutlich wird dies bei einer Straßenbahnlinie die durch die "Alfama" fährt.

Rossio: In der Mitte des Platzes finden Sie eine Statue des Dom Pedro IV und an seinem Fuß vier weibliche Figuren, die Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke und Mäßigung darstellen, alles Eigenschaften, die Dom Pedro zugesprochen wurden. Dieser Platz, der ursprünglich 'Praça Dom Pedro IV' genannt wurde, hat den Namen 'Rossio' von den Einheimischen erhalten und ist bis heute ein traditioneller Treffpunkt sowohl für die 'Lisboetas' als auch für die Besucher der Stadt.

Lissabon
Ein Tag in Belem
'Parque das Nações' (Park der Nationen)

Ein Tag in Belem
Die Reise war ein Geschenk zu meinem runden Geburtstag. Nach einer weiteren Überraschung noch vor dem Frühstück machten wir uns auf den Weg nach Belem. Was uns erwartete, kannte ich schon ungefähr von Fotos. Von der Hauptstraße aus wählten wir zunächst den Weg durch die großzügige Parkanlage, gingen dann Richtung Tejo, tranken in der Nähe des Leuchtturms einen Kaffee, bevor wir auf den verschlungenen Weg um die Docks herum zum "Torre" kamen. Wir beeilten uns den Touristenmassen aus den Bussen zuvor zu kommen, denn die Architektur faszinierte mich, sie war so schön kitschig in ihrer Sahnetortenarchitekturpracht, dass sie schon wieder schön war. Auf den vielen Geschoßen des Torre gab es immer neue überraschende Blicke nach draußen und vor allem an dem Gebäude selbst.

Der Turm von Belém wurde 1515-1521 im Zeitalter der Entdeckungen (als die Verteidigung der Stadt im Vordergrund stand) zur Huldigung des Schutzheiligen der Stadt St. Vicente von König Manuel I auf einer Insel im Tejo erbaut, um als Festung, Leucht - und Wachturm die Flussmündung zu beschützen.

Der Turm ist übervoll mit Dekorationselementen im manuelinischen Stil, Symbolen der Macht des Königs wie Seile, die das Gebäude umschlingen und in eleganten Knoten enden, Kreuze des militärischen Christusordens und naturalistischen Elementen wie Nashörner, die ersten in Stein gehauene Wiedergaben, die man in Europa gefunden hat.

Mit der Zeit wurden neue, moderne und effektivere Verteidigungsanlagen gebaut, und der Turm von Belém verlor seine Bedeutung in der Verteidigung des Zugangs zum Tejo.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden dem Turm neue Funktionen zugeschrieben. Er wurde als Zollkontrollpunkt, Telegraphenstation und sogar als Leuchtturm genutzt.

In der Zeit als Philip II von Spanien König von Portugal wurde (1580) und während politisch unruhigen Zeiten diente er sogar als Gefängnis für politische Gefangene, und seine Lagerräume wurden zu Kerkern umgebaut. In 1983 wurde der Torre de Belém von der UNESCO zur 'Weltkulturstätte' erklärt.

Nach der Besichtigung des Torre gingen wir und Fischessen und danach zum Kloster, das eine nichtendenwollende Fassade hat. Die Kirche des Mosteiro ist ein beliebter Ort für Trauungen, durch das eine Portal verließ die ein Hochzeitsgesellschaft die Kirche, während eine noch größere durch das Hauptportal einzog.
Das Kloster des Jerónimos wird als ein Juwel des manuelinischen Baustils bezeichnet. Dieser rein portugiesische Baustil kombiniert architektonische Elemente der Gotik mit denen der Renaissance und verbindet diese mit königlicher und naturalistischer Symbolik, was diesen Stil einmalig macht.

1496 bat König D. Manuel I den Heiligen Stuhl um Erlaubnis, an den Ufern des Tejo ein großes Kloster bauen zu dürfen. Die Arbeiten begannen 1501 und endeten fast ein Jahrhundert später. Dom Manuel I und seine Nachkommen wurden in Marmorgräbern, die sich im Altarraum der Kirche und im Querschiff befinden, begraben.
Die königliche Entscheidung wurde auch dadurch beeinflusst, dass das Kloster der Jungfrau von Belém gewidmet wurde. Das Kloster des Jerónimos ersetzte die Kirche der Sta. Maria do Belém, wo Mönche des Christusordens durchreisenden Seglern religiösen Beistand gaben. Aus diesem Grund wählte D. Manuel I die Mönche des Ordens des St. Jerónimo, deren Funktion es war, für die Seele des Königs zu beten und den Seefahrern, die von der 'Praia do Restelo' hinausfuhren, um neue Gebiete zu entdecken, religiösen Beistand zu geben.
Da das Kloster auf dem Sandufer des Tejo gebaut wurde, hatte das große Erdbeben von 1755 nur wenig Auswirkung auf die Baustruktur. 1907 wurde es zum Nationaldenkmal erklärt und 1984 wurde das Kloster von der UNESCO zum 'Kulturerbe für die Menschheit'.

Lissabon
Alfama, Baixa, Rossio
'Parque das Nações' (Park der Nationen)

'Parque das Nações' (Park der Nationen)
Das Explogelände erreicht man am einfachsten mit der U-Bahn, in der sich auch Ortsunkundige spielend leicht zurecht finden können. Die war den Meeren und der Seefahrt gewidmet. Der Aussichtsturm wurde in Form eines Mastes mit Segeln gestaltet und das Aquarium mit seinem Meerespavillion ist weltweit einzigartig.
Die Fläche der 'Expo 98' wurde nicht dem Verfall überlassen, sondern wird jetzt 'Parque das Nações' (Park der Nationen) genannt. Er ist Tag und Nacht geöffnet und bietet viele Attraktionen: Sie können die Promenade am Fluss zum Joggen und spazieren gehen nutzen oder auch nur auf einer Bank sitzen und die Aussicht auf die Brücke Vasco da Gama genießen; Sie können einige der Pavillons, die immer noch geöffnet sind, wie das Ozeanarium, den Pavillon der 'Virtuellen Realität', den 'Wissens-Pavillon', oder den Macau -Pavillon besuchen, Live-Konzerte im Atlantik-Pavillon hören; eine Fahrt mit der Drahtseilbahn machen; die Straße überqueren und im Einkaufszentrum 'Vasco da Gama' bummeln gehen; ein ausgezeichnetes Mahl in einem der vielen Restaurants genießen, auch hier wird Bacalhau wieder auf ganz andere Weise zubereitet angeboten. Wie Sie sehen können, gibt es für jeden etwas.

Das größte Ozeanarium Europas (4 Mio. Liter), in dem 16.000 Tiere und Pflanzen aus 450 verschiedenen Spezies leben, bietet dem Besucher ein einmaliges und bezauberndes Erlebnis. Die Besucher werden hier auf ihrem Gang durch Europas größtes Ozeanarium immer wieder ins Staunen kommen. Der Eintrittspreis erscheint zunächst heftig, doch was geboten wird ist in seiner Art einzigartig. Ich kann nur jedem empfehlen sich für das Ozeanarium Zeit zu nehmen.
In den vier Ecktürmen befinden sich vier Biotope, in jedem von ihnen wurde eine der Küstenregionen der Welt nachgebaut, die den zentralen Bereich des Aquariums umschließen. Alle zusammen genommen ergeben ein repräsentatives Bild vom Tierleben in den Weltmeeren. Bewohner sind große Tiere, die meisten gehören zur Wanderspezies, deren Reichweiten sich über mehrere Meere erstrecken können. Die bekanntesten sind Haie, Rochen und Barrakudas, aber auch sehr urzeitlich anmutende Riesenfische und große Fischschwärme.

Lissabon
Alfama, Baixa, Rossio
Ein Tag in Belem