Wie das Känguruh seinen Schwanz bekam

Mirriam, das graue Riesenkänguru, und Warrihn, der kurzbeinige Beutelbär, waren einst Menschen und Freunde. Lange schon lebten die beiden miteinander, aber jeder besorgte seine Geschäfte auf seine Weise. Warrihn hatte eine kleine Rindenhütte gebaut, um sich vor Wind und Regen zu schützen, einen Platz, wo er sein Lagerfeuer anzünden und in kalten Nächten warm schlafen konnte. Mirriam hingegen wohnte viel lieber im offenen Busch. Gern lag er des Nachts unter den hohen Bäumen, wenn der Mond durch die Zweige schien und ein kühler Lufthauch ihn umwehte.
Nun gelang es Mirriam zwar manchmal, den behäbigen Gefährten unter den hellen Sternenhimmel zu locken, aber im Grunde war Warrihn nur glücklich, wenn er dicht zusammengerollt in seiner Behausung lag und friedlich schnarchte. Hin und wieder spottete der Kängurumann ein wenig über diese Angewohnheit, doch ansonsten vertrugen sich die beiden ganz gut und verbrachten einen glücklichen Sommer.

Beginn des Märchens: Wie das Känguruh seinen Schwanz bekam
Aus Märchen der australischen Ureinwohner, 13367, Fischer Taschenbuch Verlag 1999, Hsg. Herbert Bolz